Céline Liebi

Zu Besuch

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Viele Häuser in Ernen gewähren mit ihren kleinen Fenstern kaum Einblick und markieren eine klare Grenze zwischen innen und aussen. Spuren an Hausfassaden, im Garten oder beim Eingang lassen aber vermuten, wer ein Haus bewohnt. Céline Liebi begnügt sich nicht damit, den historischen Dorfkern Ernens und die Landschaft zu bestaunen. Sie will wissen, wer hier lebt. Also nimmt sie mit verschiedenen Dorfbewohner/innen Kontakt auf, um sie kennenzulernen. Die Gastfreundschaft hält sie in Texten und Bildern fest und gibt dem Dorf damit ein Gesicht. Die Gastgeber/innen bleiben zwar anonym, werden aber trotzdem fassbar.

Die von Liebi angefertigten Porträts bestehen aus der Fotografie eines unscheinbaren, aber bedeutungsvollen persönlichen Gegenstands und der Beschreibung der Begegnung. Wie viel braucht es, um eine Person greifbar zu machen? Wie viel, um sie zu kennen?

Die Elemente sind im Kaplaneihaus und an verschiedenen Orten im Freien zu finden. So wird ein Netz aus Privatem im öffentlichen Raum gespannt und die Spekulation darüber, welche Fotografien zu welchen Texten gehören, kann beginnen. Liebi thematisiert das Austarieren von Nähe und Distanz im von Bekanntschaft geprägten Dorfalltag. Wie viel will man überhaupt von jemandem wissen? Wie viel von sich selbst preisgeben?

Aus Städten wie Basel, Den Haag und Bern zieht es sie immer wieder zurück ins Berner Oberland, zu den Bergen, der Natur und der Ruhe. Dort findet sie im Winter auf dem Snowboard und im Sommer beim Wandern, Fischen und Fahrradfahren den Ausgleich zur Kunst.
— Céline Liebi, *1994