Celia & Nathalie Sidler

Reclaim the streets! Die Rutsche auf dem Dorfplatz

test

Für seine Anstrengungen in der Sicherung der historischen Bausubstanz wurde Ernen 1979 der Wakkerpreis verliehen. Heute fransen die Grenzen des Dorfes immer weiter aus, der Dorfkern dagegen entvölkert sich. Die Abwanderung aus wirtschaftlichen Gründen, Urbanisierung und die Zerstückelung des Besitzes durch Erbteilungen sind nur einige der Gründe dafür.

Die starke Präsenz der historischen Häuser bei gleichzeitiger Abwesenheit von Menschen regten die Zwillingsschwestern Celia & Nathalie Sidler dazu an, einen Blick hinter die Fassaden zu werfen. Mit Reclaim the Streets! oder Die Rutsche auf dem Dorfplatz tasten sie ab, welche Auswirkungen die Transformation des von Landwirtschaft geprägten Dorfes in eine Tourismusdestination auf die Bewohner/innen hat. Aus Gesprächen mit Ansässigen und Abgewanderten destillieren sie Aussagen, die sie mit ihrer eigenen Wahrnehmung konfrontieren. Daraus entsteht ein Text, der den Künstlerinnen u. a. als Vorlage für eine Performance dient.

Aus den Fenstern um den Dorfplatz hängen sie Fahnen, die mit einem fotografischen Ausschnitt der Kinderrutschbahn beim Dorfladen bedruckt sind. Ein Aufruf der Künstlerinnen, das Dorf und den Platz mit kreativen und spielerischen Methoden neu zu beleben. Die Rutschbahn steht als Symbol für ein ungewisses Erlebnis zwischen Freude und Angst. Gleichzeitig verweist sie auf den gesellschaftlichen Wandel, war den Kindern früher doch das ganze Dorf ein Spielplatz. Celia & Nathalie Sidler schaffen die Möglichkeit, den touristischen Blick auf das pittoreske Dorf genauso zu hinterfragen wie den einheimischen. Und darüber nachzudenken, welche Zukunftsperspektiven Bergdörfer haben.

Der Text steht hier zum Download zur Verfügung.

Die in den Obwaldner Voralpen aufgewachsenen Zwillingsschwestern arbeiten und leben mit ihren Familien in Basel. Sie arbeiten seit zehn Jahren als Künstlerinnenpaar zusammen, haben das Studium der Bildenden Kunst in Basel, Bern und Istanbul absolviert. Ortsspezifisches Arbeiten ist ihr Markenzeichen; wobei sie mit Vergnügen auf gesellschaftliche Fragestellungen eingehen. Meistens münden ihre Recherchen in temporären Installationen oder Aktionen.
— Celia & Nathalie Sidler, *1983